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Die Geschichte Cubas in Kürze

Präkolumbianisches Cuba

Die erste, durch archäologische Funde belegte Besiedlung der Insel erfolgte wohl durch die Guanahatabay - Indianer, über deren Kultur nur wenig bekannt ist. Vermutlich lebten Sie als Nomaden in küstennahen Höhlen und verfügten über einfache Werkzeuge aus Muscheln und Stein. Die Spanier fanden nur wenige Stammesangehörige im Westen Cubas vor, dort insbesondere auf der nach ihnen benannten Halbinsel Guanahacabibes (Provinz Pinar del Rio).

Aus dem heutigen Venezuela stammten die höherentwickelten Ciboney. Da dieses ursprünglich große Indiandervolk über erstaunlich hochwertige Kanus verfügte, besiedelte es nach und nach die Antillen-Inseln. Als Wohnung dienten meist Höhlen, selten einfache Hütten.

Die vermutlich aus dem nördlichen Südamerika stammenden Taíno setzten sich, wie auf der Nachbarinsel Jamaika, seit ca. 300 n.Ch. auch auf Cuba durch.Neben handwerklichen und landwirtschaftlichen Kenntnissen brachten sie ausgeprägte religiöse Kulte sowie soziale Strukturen mit. Etwa 1450 folgten in einer zweiten Einwanderungswelle höherentwickelte Taíno, die sich vor allem im Osten Cubas ansiedelten. Als Jäger und Fischer setzten die Taíno Waffen und Netze ein und stellten von den Spaniern bewunderte, seetaugliche Kanus her. Sie bauten Süßkartoffeln, Mais, Maniok, Yukka, Ananas, Baumwolle und Tabak an. Ihre Hütten bestanden aus Eckpfosten mit geflochtenen Wänden und Dächern und waren um die Hütte des Häuptlings angeordnet. (Eine Nachbildung eines solchen Dorfes findet sich in Guama, Halbinsel Zapata). Neben der Herstellung von Wekzeugen und Schmuck aus Holz, Keranik und Metall war ihnen die Bearbeitung von Gold vertraut.
Ausdruck ihrer religiösen Kulte war neben Ballspielen, Musik und Tanz auch das Tabakrauchen, das tranceartige Zustände erzeugen sollte. Als Überlieferung bleiben die Bohío - Hütten, die Hängematte, einige Musikinstrumente und das Wort Hurrikan (der Name eines unheilbringenden Gottes) erhalten.

Entdeckung und Eroberung Cubas

Christoph Kolumbus betrat bei seiner ersten Entdeckungsreise am 28.Oktober 1492 die Nordostküste Cubas. Im Glauben, eine große Vorinsel Indiens gefunden zu haben, nahm er sie im Nahmen des spanischen Königs in Besitz und nannte sie zu Ehren der Thronfolgerin Juana. Kolumbus war von der Vegetation der Insel, der Vielfalt an Bäumen, exotischen Früchten und Vögeln fasziniert und lobte die zahlreichen schiffbaren Flüsse und die Friedfertigkeit der Indianer.

Als der Konquistador Diego Velázquez 1511 von der spanischen Krone mit der Eroberung und Ausbeutung Cubas beauftragt wurde, lebten auf der Insel etwa 500.000 Indianer. Diese wurden von den ursprünglich nur 300 Spaniern innerhalb weniger Jahre nahezu ausgerottet. Wie auf den anderen Karibik-Inseln war die Inbesitzname Cubas von Massakern, Vergewaltigungen und der Vernichtung ganzer Dörfer begleitet. Viele Indianer, die nicht vor den Grausamkeiten der Spanier in den kollektiven Selbstmord flüchteten, starben in den folgenden Jahren an eingeschleppten Krankheiten, Nahrungsmangel und schwerer Zwangsarbeit. Bis 1515 unterwarfen die Spanier die gesamte Insel und gründeten die wichtigsten Städte: Baracoa, Bayamo, Trinidad, Sancti Spíritus, La Habana, Puerto del Principe (Camagüey) und die damalige Hauptstadt Santiago de Cuba.

Koloniales Cuba

Zur Besiedlung wurden ganze Landstriche mitsamt ihrer Bevölkerung an spanische Adelige und Geistliche übergeben. Zwar widmeten sich die Spanier der Viehzucht und der Landwirtschaft, doch ihr oberstes Ziel blieb die Suche nach Gold. Wegen der geringen Vorkommen kam es jedoch nur zu einem kurzen Goldrausch.

Mit der Eroberung neuer Kolonien in Lateinamerika gewann Cuba neue strategische Bedeutung. Havana wurde zum Hauptversorgungs- und Stützpunkt der spanischen Flotte, zum Handelszentrum, Umschlagplatz und größten Hafen der Karibik. Die Stadt blühte auf und wurde 1607 zur Hauptstadt ausgebaut, während andere Städte wie Santiago de Cuba verarmten. Der blühende Handel und der Trasport großer Reichtümer von und nach Havana zog zahlreiche Piraten an. Sie plünderten und zerstörten Städte, die die Spanier durch Festungen zu schützen suchten. Bis heute regen gesunkene Schiffe und vergrabene Reichtümer die Phantasie zahlreicher Schatzsucher an, insbesondere auf der Isla de Juventud.

Schon 1522 trafen die ersten afrikanischen Sklaven auf Cuba ein. Aber erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als zuerst mit dem Tabak-, dann mit dem Zuckerrohranbau neue Wirtschaftszweige aufkamen, errangen sie als billige Arbeitskraft an Bedeutung. Durch den neuen Rauchkult entwickelte sich in ganz Europa ein wachsender Absatzmarkt für Tabak, 1717 machten königliche Monopole auf Anbau, Verarbeitung und Handel den Tabak zum Hauptfaktor der cubanischen Wirtschaft. Der in Europa verlangte Preis für Tabak stand jedoch im krassen Gegensatz zu den Lebensbedingungen der Sklaven und zum Lohn der cubanischen Tabakbauern, was zu ersten bewaffneten sozialen Unruhen führte.

Zuckerrohr wurde von den Spaniern direkt nach der Eroberung von den Spaniern eingeführt. Im Rahmen des extensiven Zuckerrohranbaus bedeutete die sehr mühsame und arbeitsaufwendige Ernte und Verarbeitung die Versklavung und den Tod von Millionen Schwarzafrikanern. Ihren Höhepunkt erlangte die Sklaverei auf Cuba erst im 19. Jahrhundert, als sie in anderen Kolonien bereits abgeschafft war. Auf Schiffen eng zusammengepfercht, starben 10-25 % der Sklaven bereits bei der Überfahrt, mindestens 15 % fanden jährlich als Folge der menschenverachtenden Arbeitsbedingungen den Tod.

1762 wurde Cuba von England erobert, ein knappes Jahr später gegen Florida eingetauscht und an Spanien zurückgegeben. In dieser kurzen Zeit erlebte die Wirtschaft Cubas einen enormen Aufschwung, da die einschränkenden Handelsmonopole wegfielen. Vor allem in Nordamerika erschlossen sich schnell große Absatzmärkte für cubanischen Zucker und Tabak, doch auch mit England wurde rege gehandelt. Im Gegenzug importierte Cuba industrielle und landwirtschaftliche Güter. Die Spanier erlaubten daraufhin 1763 den Handel mit Nordamerika. Als von Haiti, nach dem Sklavenaufstand 1791 und der Republikgründung 1804, 300.000 Pflanzer, Weiße und Mulatten, nach Cuba flohen, brachten sie nicht nur Kaffee als neue Anbaupflanze mit, sondern stellten auch das Arbeitskräftepotential für den boomenden Zuckerrohranbau. Die rasche Industrialisierung der Zuckerverarbeitung, die Vielzahl der jährlich nach Cuba verschleppter Sklaven und die Kultivierung neuer Anbauflächen steigerten die Gewinne der neuen Oberschicht der Plantagenbesitzer ins Unermeßliche.

Während 1760 ca. 30.000 Afrikaner auf Cuba in Sklaverei lebten, wuchs ihre Zahl zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf mehr als 400.000. Diese rapide Steigerung führte zu wachsender sozialer Unzufriedenheit. Immer mehr Sklaven flohen in unzugängliche Berggebiete oder organisierten Aufstände (1812 und 1844), die jedoch scheiterten. Nachdem England 1808 und Spanien 1817 den Sklavenhandel offiziell aufgegeben hatten, wurden die Sklaven nach Cuba geschmuggelt. Mit der Sklavenbefreiung infolge des amerikanischen Bürgerkrieges war Cuba in dieser Hinsicht spätestens 1865 isoliert. Doch auch unter den weißen Cubanern wuchs der Unmut über die sozialen Mißstände. Korrupte, in Spanien geborene Beamte vertraten das widersprüchliche Kolonialsystem, denen die Kreolen, in Cuba geborene Nachkommen spanischer Einwanderer, mit einer neuen nationalen Identität gegenüberstanden.

Befreiungsbewegungen und Abhängigkeit von den USA

Der erste Befreiungsversuch wurde von Carlos Manuel Cespedes unternommen. Sein Revolutionsmanifest forderte die Unabhängigkeit Cubas, die Sklavenbefreiung, Anerkennung der Menschenrechte und Handelsfreiheit. Die 26.000 mit Macheten bewaffneten Rebellen erzielten im Osten Cubas zunächst Erfolge, doch entwickelte sich ein Bürgerkrieg, der sich unter Antonio Maceo und Máximo Gómez bis 1878 hinzog und dann scheiterte. Trotzdem war die Entstehung eines cubanischen Nationalbewußtsein ein Erfolg.
Um Maceo entstand im amerikanischen Exil die Keinzelle des zweiten Befreiungskrieges.Die politische Untermauerung basierte auf den Schriften von José Martí, der die wirkliche Freiheit, auch von anderen Mächten wie den USA, und die Rückbesinnung auf cubanische Traditionen forderte. Obwohl Martí zu Beginn der Kämpfe 1895 umkam, gilt er bis heute in Cuba als der Wegbereiter der Revolution. Den Aufständischen gelang jedoch aufgrund schlechter Versorgung und Bewaffnung nicht der Sieg. Sie kontrollierten das Landesinnere, die Spanier die Städte.
Vorgeblich, um US-Eigentum zu schützen, wurde 1898 der Kreuzer "Maine" nach Havana entsandt, der dort auf ungeklärte Weise durch eine Explosion sank. Dies nutzten die USA als Vorwand, die Insel innerhalb von vier Monaten zu besetzen. Die Kolonialherrschaft der Spanier wurde durch eine US-Militärherrschaft ersetzt. Spanische Industrielle schlossen sich US - Kapitalfirmen an, die in großer Zahl Niederlassungen in Cuba eröffneten. Landkäufe und Investitionen von US-Bürgern führten zu stets steigender Abhängigkeit Cubas.

Die Pseudo-Republik

Die wirtschaftliche Abhängigkeit war so groß, daß Zuckerindustrie, Eisenbau und Bergbau von US-Firmen kontrolliert wurden. Der durch den ersten Weltkrieg und sinkende europäische Zuckerrübenproduktion ausgelöste Zuckerboom brachte den Zuckerbaronen unermesslichen Reichtum und verstärkte die Kluft zwischen arm und reich. Die in der 20er Jahren verschärfte soziale Situation und die Angst der wohlhabenden Schicht vor Unruhen ermöglichte die nun folgenden Diktaturen. Gerardo Machado führte von 1924 bis 1933 ein blutiges Terrorregime, begleitet von sozialer Ausbeutung. 1933 verließ er nach einem Generalstreik das Land und nahm die Staatskasse gleich mit. Ein Militärputsch brachte Fulgencio Batista für die nächsten 26 Jahre an die Macht. Er sorgte für die Durchsetzung der amerikanischen Interessen. Korruption, Mafia, Willkürherrschaft, Armut und bis zu 600.000 Arbeitslose bestimmten den Alltag.

Die cubanische Revolution (1953-1959)

Die Geschichte der Revolution beginnt am 26.Juli 1953 mit der Niederlage einiger Rebellen beim Sturm auf die Moncada-Kaserne in Santiago, unter ihnen auch der damals 27jährige Fidel Castro. Den Überlebenden wurde der Prozeß gemacht, dessen Öffentlichkeit Castro zu seiner berühmt gewordenen Verteidigungsrede "die Geschichte wird mich freisprechen" nutzte. Er kam ins Gefängnis auf der Isla de Pinos (heute Isla de Juventud) und ging nach einer Amnestie 1955 ins amerikanische Exil. Dort gründete er, zusammen mit seinem Bruder Raúl und dem argentinischen Arzt Ernesto "Che" Guevara die "Bewegung des 26. Juli".
Mit der alten, überladenen Yacht "Granma" strandeten am 2. Dezember 1956 82 schlecht ausgerüstete Revolutionäre im Osten Cubas. Die meisten wurden von Regierungstruppen getötet. 15 von ihnen, darunter die Castro - Brüder und Che Guevara, konnten sich in die Sierra Maestra durchschlagen und fanden dort unter den Bauern Anhänger. 1957 wuchs in ganz Cuba der Widerstand gegen das Batista - Regime, das die Rebellion nun auch mit militärischer Gewalt gegen die Zivilbevölkerung vernichten wollte.
Während sich die Zahl der Guerilleros, auch aus den Reihen der Soldaten, vergrößerte und die Präsidentschaftswahlen 1958 boykottiert wurden, gelang den Revolutionären die Eroberung der Insel von Osten nach Westen. Nachdem Batista (natürlich wieder unter Mitnahme der Staatskasse) in der Silvesternacht floh, verhinderte ein Generalstreik die Machtübernahme des Militärs. Am 8.Januar 1959 zogen die Revolutionäre in Havana ein.

Revolutionäres Cuba

Als Fidel Castro Regierungschef wurde, galten seine ersten Regierungshandlungen der Mietpreissenkung, einem Wohnungsprogramm, der Einführung einer Sozialversicherung sowie Maßnahmen gegen Rassendiskriminierung. Eine großangelegte Alphabetisierungskampagne und ein weitreichendes kostenloses Gesundheits- und Bildungssystem brachten dem Land in den folgenden Jahren auf diesem Gebiet einen Standart, der sich mit den besserentwickelten Staaten der Welt messen kann und in Lateinamerika einzigartig ist. Kernstück war die Agrarreform, die Großgrundbesitzer enteignete und das Land an Landarbeiter kostenlos verpachtete.
Die Landreform traf neben der dünnen Schicht reicher Cubaner vor allem US-Bürger. Die USA übten Druck aus, indem sie die Zuckerimporte reduzierten, woraufhin sich Cuba um neue Handelspartner wie die Sowjetunion und China bemühte. Als sich amerikanische Erdölraffinerien weigerten, aus der Sowjetunion geliefertes Erdöl zu verarbeiten, wurden sie von der cubanischen Regierung enteignet. 1960 verhängten die USA ein Handelsembargo gegen Cuba. Viele Cubaner aus der ehemals reichen und einflußreichen Schicht verließen die Insel Richtung Florida.
1961 landeten 1500 Exilcubaner, geleitet vom CIA und unter massiver der US - Luftwaffe und Marine in der cubanischen Schweinebucht. Obwohl technisch unterlegen, schlugen die Cubaner die Invasion innerhalb von 3 Tagen zurück. Als Resultat verhängten die USA eine bis heute gültige totale Wirtschaftsblockade. Aus Mangel an Handelspartnern lehnte sich Cuba enger an die Sowjetunion an, 1962 proklamierte Castro das Land als sozialistischen Staat. Die provozierende Stationierung sowjetischer Atomraketen verursachte im Oktober 1962 die Cuba-Krise. Die USA forderten unter Androhung eines Atomkrieges den Abzug der Raketen, die Sowjets lenkten schließlich ein.

Das sozialistische Cuba

Die Anlehnung Cubas an die sozialisten Länder sicherte zunächst den Aufschwung, brachte jedoch auch schnell neue Abhängigkeiten. Das Hauptexportgut Zucker wurde zu festen Quoten abgenommen, im Gegenzug lieferte die Sowjetunion Erdöl zu günstigen Preisen. Eine Planwirtschaft wurde eingeführt.
Der Zusammenbruch des Ostblocks und die damit verbundene Einstellung der Zuckerabnahme und Ölimporte sowie der Zusammenbruch der Außenwirtschaft verschlechterten die Wirtschaftslage dramatisch und führten zu Rationierungen, Stromsperrungen, Treibstoffmangel und Produktionsausfällen. Überdies verschärften die USA ihre Sanktionen in der Hoffnung, der sozialistischen Regierung in Cuba ein schnelles Ende zu setzen. Das Helms-Burton Gesetz von 1996 sanktionierte alle ausländischen Unternehmen, die in Cuba investieren wollten. Seit 1994 wurden wirtschaftliche Reformen umgesetzt, die Dollarbesitz, freie Bauernmärkte, privatwirtschaftliche Betätigung und Joint-Ventures mit ausländischen Firmen ermöglichen. Cuba setzt heute verstärkt auf den Handel mit Mittel- und Südamerika sowie Europa und Kanada. Neben Zuckerexport und Zigarren sind heute Bergbau, biotechnologische und medizinische Produkte sowie in starkem Maße der Tourismus die Haupteinnahmequelle für Devisen.

(Fortsetzung folgt)